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Wieder lieferbar und neu aufgelegt:
Das Gedichtbuch Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland: signiert mit Widmung - ein persönliches Geschenk für Liebhaber mehr

Die Birne ist wieder da!

Birnensorten aus Ribbeck’scher Zeit - gibt es sie heute noch die Birnen des Alten von Ribbeck?

Eine mehrjährige „Spurensuche“ nach den Birnen-Sorten des unvergessenen „Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ ist in einem Teilbereich abgeschlossen.
Aus den Knospen von acht ausgewählten alten Birnensorten wurden 250 Bäumchen gezogen, die jetzt mannshoch sind, in einer Nauener Baumschule stehen und verpflanzt werden können.
Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich dabei um jene historischen Birnen-Sorten, deren Früchte Hans-Georg von Ribbeck (1689-1759) über einen längeren Zeitraum, „zur goldenen Herbsteszeit“ den Kindern schenkte.
Ab 1600 erfolgte auf der nördlichen Hälfte der Erde eine Periode kühlen Klimas – die Kleine Eiszeit. Diese Epoche bewirkte tiefgreifende ökologische, ökonomische und soziale Veränderungen. Natürlich war davon auch das Havelland betroffen. U. a. konnten die hochgezüchteten, wärmeliebenden Birnensorten nicht mehr ausreifen.
Auch auf Ribbeck konnten nur robuste Sorten dieses Klima-Desaster überleben.
Dabei handelte es sich meist um kleine, früh reifende, farbenprächtige und süß-schmeckende Birnen-Sorten.
In der Epoche der Kleinen Eiszeit war eine süße Frucht eine Seltenheit und eine begehrte Kostbarkeit.
Der legendäre Birnenspender – Hans Georg von Ribbeck –  blieb in der Bevölkerung unvergessen. Er hat in einer Notzeit über viele Jahre hinweg, in der soziales Elend, Kälte und Hunger herrschten, Kindern süße Birnen geschenkt. Fontane konnte in seinem Gedicht mit Sicherheit auf die mündlich überlieferte Begebenheit zurückgreifen.
Aus einer Reihe von Birnensorten, die vor der Zeit H. – G. v. Ribbecks nachgewiesen werden können und die es auch heute vereinzelt noch gibt, wurde Vermehrungsmaterial (einjährige Triebe mit Knospen) gewonnen.
Es handelt sich um die Römische Schmalzbirne, die Petersbirne, die Blut-Birne, die Sommereier-Birne, die Lübecker Prinzessin-Birne, die Kleine Muskateller-Birne und um die Landschaftsbirnen vom Typ Kleine Peters-Birne und Schmalzbirne

Klone dieser Birnen wurden auf gutbewurzelte Unterlagen, auf eine gegen Krankheiten ziemlich resistente Mostbirnen-Sorte, gepfropft.
Auf diese Weise wurde eine Gruppe von acht alten Birnen-Sorten nachgezogen, die den historischen Gegebenheiten entspricht.
Ältere Birnensorten haben fast immer mehrere synonyme Bezeichnungen.
So wird beispielsweise die Römische Schmalzbirne in Sachsen und in Sachsen-Anhalt auch als Melanchthons-Birne, die Petersbirne in Bayern und in Thüringen auch als Margarethen-Birne bezeichnet.

Legende und Wahrheit

Gehen wir einmal davon aus, dass an der überlieferten Familiensage ein erheblicher Wahrheitsgehalt ist. Unser freundlicher Birnenspender – Hans-Georg von Ribbeck – lebte von 1689-1759 auf Ribbeck. Das erste Birnengedicht wurde 1875, also 116 Jahre nach dem Tode von Hans-Georg von Ribbeck geschrieben. Die Dichterin war Hertha von Witzleben (auch Hertha von Wiedebach 1851-1927) genannt. Sie war ein Mitglied der Groß-Familie von Ribbeck.
Es gibt keinen Nachweis, dass Fontane das Gedicht kannte und es als Vorlage benutzen konnte. Die Familienlegende über den großzügigen Gutsherrn mit den köstlichen Birnen war in der Bevölkerung derart bekannt, dass Fontane 1889 auf die überlieferte Familiensage zurückgreifen konnte. Drei bis vier Generationen sind eine relativ kurze Zeit, um einen interessanten Sachverhalt sinngemäß überliefern zu können – der historische Kern bleibt erhalten.

Die Herkunft der Birnen auf Ribbeck

Das Rittergut Ribbeck wurde 1237 erstmals urkundlich belegt. Gegen Ende der mittelalterlichen Klimaepoche - Wärmezeit - gab es in Deutschland eine Vielzahl kultivierter Obstsorten als wichtige Nahrungsgrundlage und als Genussmittel.
Bereits die Römer brachten neben anderen Obstsorten 40 verschiedene Birnensorten über die Alpen, die auf vorhandene bodenständige Wildbirnen gepfropft wurden (Plinius d. Ä. beschreibt diese Birnensorten mit ihren verschiedenen Eigenschaften).
Nach dem Abzug der Römer kümmerten sich Klöster und adelige Grundherren um die Zucht und Verbreitung der Birnen. Die Birne - als ein köstliches Genusslebensmittel - avancierte im 13. Jahrhundert zur Modefrucht Europas.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts gab es im Gebiet des heutigen Deutschlands mindestens 60 Tafelbirnensorten mit breiter Geschmacksbasis.
Edelbirnen zählten zu den geschätztesten kulinarischen Köstlichkeiten der Barockzeit.
Das Veredeln der Obstgehölze führte Jahrhunderte lang der „Pelzer“ durch. Die Pelzer waren schon im Mittelalter ein hochgeachteter Berufsstand. Den Mitgliedern dieser Berufsgruppe war das Tragen eines Degens erlaubt. Keiner anderen Berufsgruppe wurde diese Ehre zuteil.
Es kann davon ausgegangen werden, dass es auch auf Ribbeck - wie an anderen vergleichbaren Standorten Deutschlands – ein reichhaltiges Angebot an diversen Birnensorten gab. Mächtige „Landschafts-Birnen“ standen in freier Feldflur. Einfache Mostbirnen und edle Tafelbirnen wuchsen in den Obstgärten und Streuobstwiesen. Besonders köstliche Birnensorten wurden an kleinklimatisch günstigen, geschützten Standorten als Spalierobst an Gebäuden hochgezogen.
Solange die klimatischen Bedingungen gegeben waren, konnten anspruchsvolle Birnensorten in Mitteleuropa gedeihen.
Die damalige Vielfalt von Birnensorten war eine wichtige Voraussetzung, dass ein Teil der etwas widerstandsfähigeren Birnen das Klima-Desaster überstehen konnte.

Kleine Eiszeit – große Veränderungen
Tafelbirnen sterben lokal aus

Der mittelalterlichen klimatischen Warmzeit folgte eine Periode relativ kühlen Klimas, die Kleine Eiszeit des 17. Jahrhunderts. Diese bewirkte gewaltige Veränderungen – nichts war mehr so, wie es sich früher gezeigt hatte. Wärmeliebende Organismen konnten nicht mehr existieren. Mehrmals fror die Ostsee komplett zu, so dass sie zu Fuß überquert werden konnte. In den Lagunen Venedigs wurde Schlittschuh gelaufen. Bekannt sind die Darstellungen von Winterlandschaften holländischer Maler von Hendrick Avercamp und Pieter Brueghel.
Auch der totale Untergang der Wikinger-Kolonien auf Grönland fällt in die Epoche der kleinen Eiszeit. Die Universität Alberta, Kanada, erforscht gegenwärtig die Ursachen des Niedergangs der Besiedlung, die vor der Klimaverschlechterung 6.000 Siedler betrug. In günstigen Jahren konnten dort sogar reife Äpfel geerntet werden.
Natürlich gibt es zahllose weitere Klimazeugen und wissenschaftliche Aufzeichnungen. Die kleine Eiszeit kann auch mittels Sedimentproben, durch Ergebnisse der Dendro-Chronologie (Jahrringmessungen), durch Pollenanalysen usw. nachgewiesen werden. Wegen des Gletscherwachstums in den Alpen musste die Almwirtschaft in den höheren Lagen wieder aufgegeben werden.
Die kalten und langen Winter bewirkten eine Reduzierung der jährlichen Vegetationszeit. Die Sommer waren nasskalt, so dass beispielsweise der Weizen auf dem Halm faulte. Folgen waren: eine geringere Produktion von Nahrungsmitteln, Hungersnöte, steigende Lebensmittelpreise, Armut, soziales Elend, körperliche Mangelerscheinungen bei der Bevölkerung und Seuchen bei Menschen und Haustieren. Unter anderem gab man die Schuld für diese Miss-Stände dem weiblichen Geschlecht. Dadurch erfolgte eine Zunahme von Hexenprozessen. Aus all der Not entwickelten sich soziale Spannungen in der Bevölkerung – die Vorboten der Französischen Revolution.
Während der Periode des kühlen Klimas verschwanden nach und nach u. a. auch die wärmeliebenden Obstsorten. Besonders die anspruchsvollen Birnensorten konnten an natürlichen Standorten nicht mehr existieren.
Auch das Havelland war von der kleinen Eiszeit nicht verschont. Auf Grund der Klimaabkühlung konnten die meist aus Frankreich oder Belgien stammenden, hochgezüchteten empfindlichen Birnensorten nicht mehr existieren.
Etwa zu Lebzeiten des Hans-Georg von Ribbeck erreichte die kleine Eiszeit ihren Höhepunkt. Nur robuste Sorten überlebten diese Kälteperiode. Es handelte sich um widerstandsfähige Sorten, die aus Wildbirnen über lange Zeiträume gezielt herausgezüchtet worden waren. Diese wurden vegetativ weitervermehrt. Das heißt, dass das Erbgut unverändert bleibt. Eine Anpassung an sich verändernde Umwelteinflüsse konnte nicht erfolgen.
Es gab aber auch Wildbirnen, die sich selbst mit Kultursorten kreuzten, daraus entstanden sog. Knöddelbirnen. Die daraus erwachsenen mächtigen Birnbäume können ein Alter von 250-300 Jahren erreichen. Es gibt sie heute noch, diese stattlichen unverwechselbaren Landschaftsbirnen entlang von alten Alleen oder in der freien Landschaft. Die Früchte dieser Landschaftsbirnen waren und sind alles andere als schmackhaft, für den Frischverzehr sind sie nahezu ungenießbar.


Welche Birnen-Sorten
standen Hans-Georg von Ribbeck zur Verfügung?

Von den Birnensorten, die es vor der Zeit des „Birnen-Ribbeck“ gab, überlebten nur wenige Sorten die kleine Eiszeit in Mitteldeutschland. Etliche dieser widerstandsfähigen Sorten existieren auch heute noch, manche Sorten leider teilweise nur noch in wenigen Exemplaren. Aber da und dort gibt es Liebhaber und staatliche Institutionen, die diese alten Sorten weiterzüchten und sie der Nachwelt erhalten.



 

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