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Kinder fragen den Herrn von Ribbeck
Lieber Herr von Ribbeck, sind Sie wirklich verwand mit dem Herrn von Ribbeck aus Fontanes Gedicht? Ja das bin ich. Das ist eine coole Geschichte über meinen 7-fachen Urgroßvater, der die Kinder liebte und sie beschenkte, nicht wahr. Aber er war traurig darüber, dass er einen knauserigen Sohn hatte, der nach seinem Tode die Kinder eben nicht mehr beschenken würde. Da er aber ganz schön clever war, sagte er sich, soll doch mein Sohnemann weiter geizig sein, ich kann ihn nicht ändern, aber ich werde meine Gutherzigkeit über die Generationen hinweg retten, indem ich eine Birne mit ins Grab nehme. Aus der soll dann ein neuer Birnbaum wachsen und die Kinder wieder beschenken.
Können Sie uns etwas über den Inhalt des Gedicht aus Ihrer persönlichen Sicht sagen? Für mich bedeutet das Gedicht etwas das ich mal so erklären möchte: Du hast ein Problem, das Du im Moment nicht lösen kannst: Freundin, schlechte Noten, zu wenig Taschengeld, ätzende Eltern, gemeine Lehrer und so weiter. Aber hab Vertrauen und tu etwas für die Lösung und warte, dann wird sich Dein Problem schon lösen. Manchmal kommt man mit Gewalt gar nicht weiter. Es kann dauern. Ich selbst musste nach unserer Vertreibung im Jahr 1947 auch 50 (!) Jahre warten und von einem Wohnort zum nächsten ziehen, bis ich wieder hier in meinem Heimatdorf Ribbeck sein durfte, nun für immer. Das hat mich, Gott sei dank, nicht bitter gemacht
Sind Sie verheiratet? Ich bin verheiratet mit einer tollen Frau, habe einen Sohn und der hat mit seiner Frau zusammen 3 Kinder, Luna, Leon und Maya. Und dann haben wir noch Toutzi, eine schwarze Katze mit weißen Pfoten und einem weißen Latz.
Wie alt sind Sie? Ich bin 65 Jahre alt und gehe zu den Kindern in die Schule, um mich vorzustellen und das Gedicht zu erklären.
Gibt es das Doppeldachhaus noch? Das Haus der Familie von Ribbeck gibt es noch, aber es ist seit dem Tode des Alten Herrn von Ribbeck 1759 mehrfach umgebaut und vergrößert worden. Heute nennt man es Schloss und es gehört dem Landkreis Havelland. Der will es jetzt sanieren.
Wo ist der Herr von Ribbeck aus dem Gedicht begraben und gibt es das Grab noch? Das Begräbnis der Familie von Ribbeck gibt es auch noch in der Gruft unter der Kirche, aber die wird nicht mehr genutzt und ist verschlossen, damit da nicht jeder reinstolpert und die Totenruhe stört.
Hat es den Birnbaum aus dem Gedicht wirklich gegeben? Es gab den legendären Birnbaum wirklich, an der Kirche, über der Gruft, aber der ist im Jahr 1911 von einem Orkan umgestürzt worden. Dort steht mittlerweile wieder ein Birnbaum, 25 Jahre alt, aber der gehört zur Evangelischen Kirche, mit der wir gut zusammenarbeiten.
Wohnen Sie und Ihre Familie im Schloss? Wir wohnen nicht im Schloss, da dieses nicht mehr uns gehört, aber vielleicht können wir es ja irgendwann wieder kaufen. Zimmer gäbe es darin genug, um sie nach der Sanierung zu vermieten.
Wo wohnen Sie denn jetzt? Unser Haus gegenüber dem Schloss ist 1998 fertig geworden, da muss ich ganz schön Rasen mähen. Es sieht so ähnlich aus wie das ehemalige von Theodor Fontane beschriebene Doppeldachhaus. Fachleute hätten dazu Krüppelwalmdachhaus gesagt. Es liegt gegenüber vom Schloss. Wenn ich morgens aufstehe kann ich es aus dem Fenster sehen.
Haben Sie auch einen Birnbaum im Garten? Einen habe ich im Garten und den pflege ich sehr. Vor 12 Jahren habe ich aber viele hundert Birnbäume gepflanzt. Unsere noch junge Plantage mit 800 Birnbäumen liegt außerhalb des Dorfs. Da wachsen 4 Sorten heran, darunter die Williams Christ-Birne und die Conference-Birne. Mein Sohn hilft mir, den Acker zu pflegen, wozu wir einen kleinen roten Trecker aus dem Jahre 1975 gekauft haben. Der wievielte Urenkel des von Ribbeck aus dem Gedicht sind Sie? Ich bin der 7-fache Urenkel des legendären Herrn von Ribbeck.
Was ist ihr Beruf? In den letzten Jahren habe ich viel Unrat in Ribbeck weggeräumt. Wir haben die Alte Brennerei wieder zurückgekauft, weil es ein ganz wunderschönes Gebäude mit einem tollen Keller ist. Wenn es kein anderer gekauft hätte, würde es immer noch ins Dach hereinregnen und das schöne Gebäude würde wohl gänzlich kaputt gehe. Teils Beruf und teils Hobby ist die Produktion von Birnen-Essig, die mein Sohn und ich begonnen haben
Was sind Ihre Hobbies Mein Hobby ist Verreisen, ich war gerade in Amerika und Sumatra. Ich verreise gern in fremde Länder, beispielsweise nach Südafrika, weil dort mein Bruder lebt. Aber ich freue mich jedes Mal, wenn ich nach Deutschland und mein Dorf Ribbeck zurückkomme, trotz aller Problemchen, die wir haben.
Können Sie auch Plattdeutsch sprechen? Plattdeutsch kann ich nicht, aber wir haben einen Pfarrer gefunden, der uns das Gedicht ins Platt übersetzt hat. Es ist in unserem Bilder- und Gedichtbuch veröffentlicht.
Können Sie das Gedicht auswendig? Für mich ist das Gedicht über den Herrn von Ribbeck das schönste deutsche Gedicht, ich lernte es erstmals auswendig, als ich als Kind mit Keuchhusten im Bett lag.
Hat den Theodor Fontane den Alten von Ribbeck gekannt? Der alte Herr von Ribbeck und Theodor Fontane haben sich nicht gekannt, weil der alte Herr von Ribbeck wahrscheinlich schon 1759 gestorben ist. Theodor Fontane lebt etwa 100 Jahre später. Aber was Ihr wissen müsst, die Geschichte über den Herrn von Ribbeck wurde auch schon von einer Hertha von Witzleben und einer Olga von Ribbeck als Gedicht beschrieben.
Übrigens, ich werde nicht um eine Birne ins Grab bitten, weil ich keinen knauserigen, sondern einen lieben Sohn habe, der Janko heißt. Der wird meine Ideen und Gedanken fortführen und an seinen Sohn Leon weitergeben, damit der gute Geist des Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland noch recht lange weiterlebt.
Zum Buch von Herrn Delius - Anfrage einer Schülerin
Immer wieder erreichen uns Fragen zu Ribbeck und der Familie von Ribbeck, die wir auch gerne beantworten. Exemplarisch stellen wir hier einen Briefwechsel ins Netz der ein Thema aufgreift, das zu Mißverständnissen anlaß gibt und im übrigen die Geschichte in ein schlechtes, falsches Licht rückt. Es geht um das Buch von Herrn Delius. Aber wie heißt es so schön: Bad news are good news”. So verkauft sich eben Unerfreuliches besser als Erfreuliches, Skandalöses, besser als Wahres. Hallo Herr von Ribbeck, ich hätte eine kleine bitte an sie: Es geht um ein paar Informationen zu Daten aus der Ribbecker Geschichte. Wir haben in der Schule das Buch von F.C.Delius "Die Birnen von Ribbeck" gelesen und müssen jetzt eine Zeitleiste der Geschichte von Ribbeck machen, wie sie sich in dem Buch wiederspiegelt. Da in dem Buch sehr wenige Daten angegeben sind müssen wir selbst recherchieren. Ich habe dies auf ihrer Homepage bereits versucht und auch einige Informationen zum Schloss und zum Baum gefunden, jedoch nichts über die Zeit des Nationalsozialismus. In dem Buch ist oft die Rede davon, dass sich Soldaten sich in dem Dorf erholen durften, dass das Havelland ein Festplatz für die Soldaten, Uniformen der Luftwaffe und der Roten Armee usw.gewesen sei. Könnten sie uns da vielleicht eine genauere Einordnung und möglicherweise eine kleine Erklärung geben? Wir wären ihnen sehr dankbar, wenn sie uns diese Informationen möglichst schnell geben könnten, da unsere Zeit begrenzt ist und wir diese Aufgabe bereits bis Dienstag vorbereitet haben müssen. Mit freundlichen Grüssen Janina
Antwort Hallo Janina ich nehme an, es handelt sich bei Ihrer Aufgabe um eine Schulaufgabe. Ich bin traurig, Ihnen nicht weiterhelfen zu können. Das Buch der Herrn Delius ist mir bekannt, aber es gehört wirklich nicht zu meiner Lieblingslektüre, weil mir der Stil nicht gefällt und der literarische Versuch ganz offensichtlich fehlgeschlagen ist. Kein anderer Autor hat diesen Stil übernommen, jedenfalls bisher nicht. Das Buch enthält darüber hinaus fundamentale Unwahrheiten über meinen Großvater, der anerkannter Nazigegner war und sich im Februar 1945 im KZ Sachsenhausen hat umbringen lassen. Er hat weder chemische Waffen produzieren lassen, hat nicht an Blendgranaten herumgebastelt und ist auch nicht mit den Polinnen ins Heu gegangen. Er hat Leistung belohnt, konnte vor Arbeitern den Hut ziehen, wusste, dass er von einigen seiner Arbeiten bestohlen wurde und hat sie - in Grenzen - gewähren lassen. Das Schloss ist 1943 von der Luftwaffe beschlagnahmt worden und mein Großvater hat sich keineswegs mit den braunen Herren arrangiert, er hatte für sie nur beissenden Spott übrig. Die Ribbecks waren nie gute Soldaten. Dieser Hans von Ribbeck war aber auch kein aktives Mitglied des Widerstandes, dazu war er zu undiplomatisch. Die Männer der Kreisauer Kreises waren bei ihm oft zu Besuch, fürchteten aber seine zeitweise ideologische Unbeherrschtheit, die sie hätte verraten können. Auch kenne ich keine authentischen Berichte darüber, dass ausgerechnet Ribbeck oder das Havelland Festplatz für Hitler- oder Kommunistische Soldaten gewesen sein soll. Ein namentlich bekannter Gauleiter Hitlers hatte sich schon Anfang der 40er Jahre sehr am Gut Ribbeck interessiert gezeigt, meine Familie hätte das Gut also so oder so tatsächlich verloren. Unter nationalsozialistische Verwaltung wurde es schon 1944 gestellt, als mein Großvater von der Gestapo verhaftet und ins KZ verbracht wurde. Was der Herr Traktorist Manfred Klawitter aus Ribbeck dem Herrn Delius berichtet hat, was er heute geflissentlich schon nicht mehr weiss, muss er im Zustand zunehmender Betrunkenheit von sich gegeben haben. Im Dorf wird er auch Lügenbaron genannt, wobei dieser Ausdruck nicht von mir stammt. Es wird ja sehr viel getrunken in dem Buch. Das Buch ist mir einfach zu dumpf, dumpf hinsichtlich der Vorkriegszeit, dumpf hinsichtlich der Kriegszeit, dumpf hinsichtlich der kommunistischen Zeit, dumpf hinsichtliche der Zeit und der Aussichten nach der Wende. Es vereitelt positive Gedanken, die wir heute für den Wiederaufbau des Dorfs nötig haben, aber bitte, wer schlechte Nachrichten lieber liest als gute, mag sich daran und am Leid der Ribbecker Bürger erfreuen, mein Stil ist es nicht. Lesen Sie unsere Familienchronik aufmerksam und leiten Sie daraus Fragen her, aber haben Sie Verständnis, dass ich zu Delius keine weiteren Informationen gebe. Das Gut Ribbeck florierte Jahrhundertelang und gab bis 1945 etwa 50 Familien Lohn und Brot. Die damalige gesellschaftliche Ordnung war eine andere, aber sie hat untadelig funktioniert. Nach 50 Jahren LPG-Betriebs ist - wie andernorts auch - nicht mehr als ein Schrotthaufen übriggeblieben. Sie sollten in Ihrer Zeitachse auch recherchieren, wie es dazu kam. Gute Adressen wie den ehemaligen LPG-Vorsitzenden, der dann auch noch die Nachfolge-GmbH in die Liquidation geführt hat, nenne ich Ihnen auf Anfrage gerne.
Viele Grüße Friedrich von Ribbeck
Deutsches Lieblingsgedicht – Herr von Ribbeck auf Ribbeck
Insgesamt 1248 Stimmen sind bei der gemeinsamen Aktion von "Saarbrücker Zeitung" und "Saarländischem Rundfunk" im Dezember 2005 eingegangen. In diesem Jahr standen 30 bekannte Gedichte vom Barock bis in die Gegenwart zur Auswahl. Gedichte, die jeder kennt (oder kennen sollte), von Paul Fleming bis Bertolt Brecht, von Klopstock bis Enzensberger und Jandl. Dann haben Sie abgestimmt und Ihre "zehn Lieblingsgedichte" wurden dann noch einmal wiederholt. Der Artikel als PDF zum download
Die zehn Lieblingsgedichte der Saarländer ·Platz 01: Theodor Fontane: Herr Ribbeck von Ribbeck im Havelland ·Platz 02: Joseph von Eichendorff: Mondnacht ·Platz 03: Erich Kästner: Sachliche Romanze ·Platz 04: Heinrich Heine: Nachtgedanken ·Platz 05: Eduard Mörike: Um Mitternacht ·Platz 06: Bertolt Brecht: Erinnerung an die Marie A. ·Platz 07: Friedrich Hölderlin: Hälfte des Lebens ·Platz 08: Conrad Ferdinand Meyer: Der römische Brunnen ·Platz 09: Johannes Kühn: Im Gasthaus ·Platz 10: Annette von Droste-Hülshoff: Der Knabe im Moor
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