Der BirnbaumSehenswürdigkeiten von RibbeckVideo: Herr Friedrich von Ribbeck liest das Gedicht.

Der Birnbaum

Es gab ihn wirklich, den berühmten Birnbaum, der nahe der Kirche über der Gruft der Familie von Ribbeck stand. Leider ist der “originale” Birnbaum, der flüsternd die Kinder beschenkte 1911 dem Sturm zum Opfer gefallen. Lediglich ein Stumpf des Stammes wird in der Kirche aufbewahrt.
In der siebziger Jahren ist zu DDR-Zeiten ein Birnbaum nachgepflanzt worden. Da der Baum jedoch den erwünschten Ertrag nicht brachte, wurde ein neuer Baum im April 2000 gepflanzt.

Sehenswürdigkeiten von Ribbeck

Der ehemalige Gutshof
Der ehemalige Gutshof ist durch die Enteignung 1945 nicht mehr im Besitz der Familie. Der Gutshof wird durch 2 markante Gebäude bestimmt. Das Schloss und die Brennerei.
Der Reit- und Kutschpferdestall ist heute Wohnhaus.

das alte Waschaus
Im Alten Waschhaus von Ribbeck gegenüber dem Eingang der Kirche können Besucher Ribbecks Essige und Edelbrände kaufen.
Das alte  Waschhaus erbaut, zum Teil als Garage mit Werkstatt umfunktioniert, beherbergte es die schmucksten Automobile der Familie von Ribbeck. Als die Zeiten sich änderten, änderte sich auch die Nutzung. Die LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenos-senschaft) richtete sich mit ihren Büros ein. Zuletzt diente das Haus als Wohnstätte für verschiedene Familien. Die Zeit hinterließ ihre Spuren und man machte sich an die Sanierung dieses traditionsreichen Gebäudes. Es fingen wieder bessere Jahre für das Waschhaus an. Im frischen Glanz, beherbergte es einen Hofladen und seit  2008 zog mit Marina Wesche das Kunsthandwerk ein. Link zum alten Waschhaus von Ribbeck

Der ehemalige Gutshof
Der ehemalige Gutshof in Ribbeck entstand in den heute erkennbaren Abmessungen von  ca 150 x 130 m mit dem Erwerb des benachbarten von Bardelebenschen Guts im Jahre 1837 durch die Familie von Ribbeck. Hier entstand um 1840 der Ziegelbau der ehemaligen Brennerei, die heute wieder im Besitz der Familie von Ribbeck  und mit ihrem 30 m hohen Schornstein noch heute das Wahrzeichen des Gutshofs ist.

Um das Kastanienwäldchen im Zentrum des Gutshofs ordnen sich der ehemalige Kuhstall, die große Getreidescheune, das Comptoirgebäude, sowie schräg gegenüber der Kirche das sogenannte Inspektorhaus, welches in den 1950er Jahren von einem romantischen einstöckigen Ziegelbau zu einem zweistöckigen grauen, asbestzementgedeckten Putzbau sozialistischer Machart mit 8 Wohneinheiten degradiert wurde.
Hinter dem Inspektorhaus befand sich der Eiskeller des Guts, der im Winter mit Eis gefüllt wurde und bis in den Sommer hinein der Aufbewahrung von Fleisch diente.
Das inzwischen durch zugezogene Architekten restaurierte und zu einem Wohnhaus umgebaute Ziegelhaus vis a vis der Kirche war das Waschhaus und daneben, heute ebenfalls Wohn-und Bürohaus, der Schweinestall.
Zwischen dem Comptoirgebäude und der großen Getreidescheune befanden sich der  inzwischen abgetragene Ackerpferdestall für 24 Gespanne, ehemals die Schmiede sowie die Stellmacherei.

Große Flächen des Freigeländes waren mit Lesesteinen gepflastert, die, sofern inzwischen überwachsen, Stück für Stück freigelegt und ausgebessert werden.
In der ehemaligen Brennerei wurden bis zum Ende des Weltkrieges jährlich 114 tausend Liter Alkohol aus Kartoffeln und Korn hergestellt. Hierher führte zum Antransport der dazu benötigten Kohle ein Gleis der Kleinbahnstrecke Nauen-Senske durch den ehemaligen Düngerschuppen bis zum Kohleschuppen östlich der Brennerei, wo sich auch das Heizhaus der Brennerei befand.
Das Backsteinhaus zwischen Kirche und Ehemaliger Brennerei war das sogenannte Schweizerhaus, in dem neben der Schweizerfamilie zwei weitere Familien wohnten. Im Gewölbekeller des Schweizerhauses wurde das Obst für das Gut überwintert.

Schloss und Doppeldachhaus
Das von Theodor Fontane bedichtete Doppeldachhaus (siehe ganz oben) ist heute nicht mehr als solches existent. Es wurde im Jahre 1822 bzw. 1826 als eingeschossiges Gebäude erbaut. 1893 wurde das Gebäude in der Grundfläche und um ein zusätzliches Stockwerk erweitert . Dieser Bau bestimmt das heutige Aussehen des Schlosses. Im Südgiebel steht jedoch die Jahreszahl 1822 des ursprünglichen Doppeldachhauses in römischen Zahlen: MDCCCXXII

Auszug aus dem Schloss
Das Schloss der Familie von Ribbeck war bis 1943 der Stammsitz der Familie. Ende 1943 wurde es von einer Luftwaffeneinheit der Wehrmacht besetzt . Die Familie musste in das sogenannte Inspektorenhaus (Bild 3) umziehen. Das Inspektorenhaus liegt als langgestreckter Bau zwischen der Kirche und dem Wohnhaus von Friedrich und Ute von Ribbeck. In den 1950er Jahren wurde es von einem romantischen, einstöckigen Ziegelbau zu einem zweistöckigen grauen, asbestzementgedeckten Putzbau sozialistischer Machart mit 8 Wohneinheiten degradiert.

Das Schloss in der DDR
Das Schloss wurde zu DDR-Zeit mit einem Fahrstuhlanbau an der Nordseite sichtlich entstellt. Die Fassade wurde stark vereinfacht. Geschwungene Giebel wurden durch gerade Formen ersetzt und Familienwappen entfernt. Von 1956 bis 2004 wurde es als Pflegeheim genutzt.
Zur Zeit  ist es im Besitz des Landkreises Havelland und wurde zum Verkauf angeboten

Beachtenswert ist ein großflächiges Putzrelieff von 1956 im Treppenhaus. Erst bei näherem Hinsehen offenbart sich, dass es sich hier nicht um eine Würdigung eines der bekanntesten Gedichte der deutschen Literatur handelt. Es zeigt in sozialistischer Verbrämung einen feisten Gutsherren mit Dreizack und Säbel der sich gerade selbst eine Birne zu Genuss führt. Die dünnen Kinder knien, die Hand aufhaltend, vor ihm. Im Hintergrund sieht man das entstellte Schloss und sozialistische Frauen, die Kinder klassenkämpferisch und körbeweise mit Birnen versorgen.

Die Brennerei
Das Zentrum heutiger Aktivitäten ist die ehemalige Gutsbrennerei.
Die Brennerei wurde Mitte des 19. Jahrhundert von der Familie von Ribbeck erbaut und diente bis zur Ausweisung der Familie der Produktion von Kartoffelschnaps. In alten Unterlagen lässt sich eine Produktionsmenge von 114.000 Litern pro Jahr ermitteln.
Der Schornstein ist über Kilometer hinweg auch schon von der Bundesstraße 5 aus sichtbar. Jedes Jahr nistet ein Storchenpaar in luftiger Höhe auf dem Schornstein und bringt von dort den Jungvögeln die Kunst des Fliegens bei.
Um das Gebäude vor weiterem Verfall zu retten, wurde das Gemäuer 2001 von der Familie zurückgekauft. Mit diesem Schritt begann eine mühevolle Handarbeit für Friedrich und Janko von Ribbeck. Etwa 10 Tonnen Putz und Schutt wurden von den beiden per Hand entfernt. Auch das alte Kopfsteinpflaster im Hof vor der Brennerei, das mit einer bis zu 30 cm hohen Ascheschicht bedeckt war, wurde von Hand freigelegt. mehr zur Brennerei

Die heutigen Wohnhäuser der Familie
1998 wurde an Stelle des ehemaligen Reit- und Kutschstalls das Wohnhaus von Friedrich und Ute von Ribbeck gebaut. Im früheren Stallgebäude waren die Reit- und Kutschpferde, die Pirschwagen, eine Bewegungshalle für die Reit- und Kutschpferde sowie die Wohnung des Pferdemeisters untergebracht.
Das Grundstück mit dem verfallenen Gebäude wurde von Friedrich von Ribbeck zurückgekauft. Friedrich von Ribbeck, Jahrgang 1939, ist Enkel des 1945 im KZ Sachsenhausen als „Feind des Volkes“ umgebrachten Rittmeisters Hans von Ribbeck.
Das heutige Wohnhaus direkt gegenüber dem Schloss ist dem Doppeldachhaus
nachempfunden. Das „Doppeldach“oder Krüppelwalmdach mit der Anordnung der Gauben und Fenster erinnern an das Schloss, wie es zu Fontanes Lebzeiten existierte.

Der Familienfriedhof
Südlich zwischen dem Schloss und dem Wohnhaus der Familie von Ribbeck ist der ehemalige Familienfriedhof gelegen, welcher mit dem Tode dreier Kinder im Alter  von 4, 5 und 11 Jahren  im Jahre 1893 angelegt wurde. Drei kleine Kreuze zeugen von den Folgen der Diphterie, die Werner, Margarete und Ernestine dahinrafften. Alle sind Kinder des Hans Georg Henning von Ribbeck und seiner Ehefrau, deren Grabstein im Zentrum des Friedhofs steht. Die Kinder sind auch alle Geschwister des letzten Herrn auf Ribbeck, Hans Georg Karl Anton von Ribbeck. Er kam, wie der große Granitgedenkstein ausweist, 1945 als Feind des Volkes im KZ Sachsenhausen ums Leben. Der Tod des letzten Herrn auf Ribbeck kurz vor Kriegsende sollte nicht umsonst gewesen sein. Die Verfolgung und Enteignung durch die Nationalsozialisten war aus vermögensrechtlicher Sicht eine wichtige Voraussetzung, dass die heute lebenden Erben Ansprüche auf Rückübertragung des Gutes zu stellen konnten. Mit Hilfe einer finanziellen Entschädigung konnten die ersten Gebäudesanierungen begonnen werden.

Video: Herr Friedrich von Ribbeck liest das Gedicht.

Herr Friedrich von Ribbeck liest das Gedicht  "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ den Kindern vor.

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Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn' ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
So flüstert's im Baume: »Wiste 'ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.