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Das erste Birnbaumgedicht
Von 1875 Hertha von Witzleben, Enkelin des Karl Friedrich Ernst von Ribbeck. Sie schrieb dieses Gedicht bevor Fontane sein Gedicht im Jahre 1889 veröffentlichte

Zu Ribbeck an der Kirche ein alter Birnbaum steht,
der mit den üpp'gen Zweigen der Kirche Dach umweht.
Von hohem Alter zeuget der Stamm, so mächtig stark,
wächst schier aus dem Gemäuer wie aus der Kirche Mark.

Von diesem alten Birnbaum geht eine Sage hier,
sie war als Kind zu hören stets eine Wonne mir:
Ein alter Ribbeck, heißt es, war Kindern hold gesinnt,
wohl hundertmal beschenkt er im Dorfe jedes Kind.

In allen Kleidertaschen er Birnen, Äpfel hat,
gab stets mit beiden Händen, gab gern, genug und satt.
Und als er kam zu sterben, man in den Sarg ihn legt,
denkt nicht an seine Taschen, darin er Birnen trägt.

Und in dem nächsten Frühjahr wächst aus der Wand am Tor,
sproßt aus dem Erbbegräbnis ein Bäumlein grün hervor.
Der Alte, der im Leben die Kinder so geliebt,
nun noch in seinem Sarge den Kindern Freude gibt

Im Herbst viel kleine Birnen der Baum streut auf den Sand,
und heut noch greift mit Jubel danach der Kinder Hand.
Die Abendschatten sanken hernieder allgemach,
da ward in meiner Seele die alte Sage wach.


Birnbaumgedicht
von Olga von Ribbeck (geboren 1885 in Bagow)

Jahrzehnte kommen, Jahrzehnte die gehen,
alljährlich ist leise das Wunder geschehen,
daß Frühling und Herbst in schaffender Macht
die Blütenfülle und Birnen gebracht;

der Kinder Jubel, der Alten Freud
überdauerte Lenzes- und Herbsteszeit.
Doch einmal in finsterer Wintersnacht,
durch wilde Stürme umtost und umkracht,

da stürzte der traute Birnbaumgreis,
von Kindern und Großen betrauert so heiß;
sein stilles Segnen mit aller Kraft
hat ihm viel warme Freunde geschafft.

Doch lange nicht währte Trauer und Nacht,
da mit dem Tage die Hoffnung erwacht;
denn wieder sproßte aus Grabes Tor
ein Birnbaumsprößling zur Sonne empor.

Es wachse das Reislein an Gottes Hand
mit den Kindern des Ribbeck im Havelland!


Birnbaumgedicht eines Ribbecker Pfarrers
Pfarrer Karl Boelcke, der in Ribbeck von 1901-1914 amtierte
schrieb 1932 in der Zeitschrift "Märkische Heimat"

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
ein Birnbaum in seinem Garten stand!
So ging es viel Jahre, bis lobesam
auch des alten Birnbaums Ende kam.

Geschlechte auf Geschlecht in Ribbeck verging,
der Birnbaum wurde alt, die Birnen gering,
ja so voller bitterer Bitternis,
daß kein Kind mehr gern in die Kodden biß,

daß auch im Strumpf das größte Loch
vor ihrer Säuernis zusammen sich zog.
Doch je mehr der Jahre gingen ins Land,
desto mehr der Birnbaum wurde bekannt.

In der Schule die Kleinen, sie buchstabierens,
zu Hause die Großen, sie deklamierens,
und immer noch, wer zum Birnbaum ging,
bald laut, bald leise also anfing:

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
in seinem Garten ein Birnbaum stand!
Kein Wunder, wenn dem, der also sang,
der Birnbaum spendete seinen Dank.

Auf Fontanes Denkmal in Neuruppin,
da legt mit liebevoll dankbarem Sinn
einen blühenden Zweig eine junge Hand,
den der Birnbaum selber zur Weihe gesandt.

Und es flüstert dabei durch den Zweig wie im Traum!
Schönen Dank, schönen Dank, sagt der Ribbecker Baum.
Doch da mahnt aus einem stillen Haus
der alte von Ribbeck: Deine Zeit ist aus!

Es fragen die Jungs und lütten Dim'n
schon lange nichts mehr nach Deinen Bim'n.
Komm nur, bist alt und morsch und schlecht,
ist Zeit, mach Platz dem jüngeren Geschlecht.

Und es kam ein mächtiger Februarwind,
der streckte den Baum auf den Rasen geschwind,
und die Kinder klagten, das Herze schwer:
He liggt nu um, wer giwwt uns nu ne Beer?

Doch sieh, aus der Wurzel und dem stillen Haus
zwei Bimbaumsprößlinge sprossen heraus.
Wachst fröhlich ihr Beiden, werdet groß und stark,
haltet wach uns die alte Sage in der Mark.

Durch Euch will nun weiter segnen die Hand
des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.
 

Herr von Ribbeck - Gedichtversionen

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